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Gebäude der Universitäts-Nervenklinik

Adresse

Abteilung für
Forensische Psychiatrie
Universitätsklinikum Würzburg
Zentrum für Psychische Gesundheit
Margarete-Höppel-Platz 1 (ehemals Füchsleinstr. 15)
97080 Würzburg

Telefon: +49 (0)931 20177510
Fax: +49 (0)931 20177520

Email: forensik@ukw.de

„Justizambulanzen“ braucht das Land!

von Martin Krupinski

 

Rückblick aus dem Jahr 2031

Mein Beitrag im Jahr 2031 beginnt im Falle einer positiven Entwicklung wie folgt:

Vieles hat sich in den letzten 20 Jahren im Strafvollzug positiv verändert. Weitsichtige und mutige Politiker haben sich der medialen Hysterisierung mit ihrem kurzsichtigen Geplärr nach immer härteren Strafen entgegengestellt, ein Überschwappen der unsinnigen Entwicklung aus Amerika mit steigenden Gefangenenzahlen und zunehmender Privatisierung des Strafvollzuges verhindert und auch die ausufernde Ausweitung des Maßregelvollzuges in den Griff bekommen. Sie haben stattdessen Gesetzesänderungen in die Wege geleitet, welche ohne gravierende Kostensteigerungen für den Strafvollzug ein relativ stabiles, hohes Sicherheitsniveau für die Bevölkerung gewährleisten. Ein wesentlicher Beitrag hierzu war, dass alle Bundesländer gesetzlich verpflichtet wurden, neben einem Ausbau des Therapieangebotes im Strafvollzug eine verbindliche ambulante Nachsorge für die Gefangenen über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren nach ihrer Entlassung mit der zusätzlichen Option einer langfristigen Betreuung zu schaffen. Fast alle der über 180 Justizvollzugs- bzw. Jugendstraf- und Jugendarrestanstalten in Deutschland haben mittlerweile eigene Ambulanzen, teils angegliedert an die Bewährungshilfestellen, eingerichtet oder sind Kooperationen mit freien Trägern von Vollzugsambulanzen eingegangen, wobei sämtliche der hinsichtlich ihrer Effizienz konkurrierenden Modelle im Gegensatz zu früher verbindlich und langfristig finanziell abgesichert sind. Durch die vom Gesetzgeber geschaffene Möglichkeit, einen Teil der Haftinsassen bei vertretbarer Prognose bereits nach der Hälfte der verbüßten Strafe mit langfristiger ambulanter Nachsorge in Freiheit zu entlassen, ist es gelungen mit überschaubaren Kosten ein modernes Resozialisierungskonzept mit größerer kriminalpräventiver Wirksamkeit zu implementieren. Psychiatrie und Psychologie haben ihren Beitrag dazu geleistet, indem die veraltete kategoriale Dichotomisierung in psychisch krank bzw. kriminell weitgehend überwunden und ein an kriminalprognostischen Überlegungen und tatsächlichen behandlungstechnischen Möglichkeiten orientierter, pragmatisch unterstützender Umgang mit allen Straftätern entwickelt wurde. Die eher gutachtenlastigen Spezialisierungen in „Forensischer Psychiatrie“ und „Rechtspsychologie“ wurden ergänzt um eine qualifizierte Ausbildung zum „Forensischen Psychotherapeuten“ und die erheblichen Summen, die früher für z. T. überflüssige, weil entweder nichtssagende oder pauschal das Gleiche sagende und vor allem aus Absicherungsgründen in Auftrag gegebene Prognosegutachten ausgegeben wurden, werden mittlerweile sinnvoller kanalisiert in echte therapeutische Kontakte mit den betroffenen Menschen … etc. ... etc.

 

(Auszug aus: Krupinski, M. (2011). "Justizambulanzen" braucht das Land. In Nedopil, N. (Hrsg.), Die Psychiatrie und das Recht – Abgrenzung und Brückenschlag. Jubiläumsschrift zum vierzigjährigen Bestehen der Abteilung für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Klinik der Universität München. (S. 283-297). Lengerich: Pabst Science Publishers.)

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